Buchautor
Neben meinen journalistischen Arbeiten bin ich als Buchautor tätig. In meinen Werken setze ich mich mit den Maximen der Angst auseinander.
Bisher erschienen zwei Bücher im Handel. Lese- und Hörproben können Sie auch auf meiner Bücherseite www.cafe-tod.npage.de abrufen.
Die Audiodatei wurde am 1. Oktober 2011 während meiner Lesung im Gemeinschaftsatelier "K5" in der Kölner Südstadt aufgenommen. Die Aufnahme gibt den zweiten Teil der Lesung wider.
lesung k5 zwei.wmv
Windows Media Video-Format [3.4 MB]
In Den Teufeln Meiner Augenblicke - Protokolle eines Zwangskranken
von Halmas Thod
Ein Trip durch Absurdistan mit einer Endstation, die sich nicht mit dem Ankommen begnügt ...
Nach zweieinhalbjährigen Aufzeichnungen erschien am 29.02.2008 “In den Teufeln meiner Augenblicke - Protokolle eines Zwangskranken”. Am 26.06.2008 wurde das Werk über den Shaker
Media Verlag neu veröffentlicht. Das Buch erscheint als Paperback mit 8 persönlichen Zeichnungen/Collagen/Fotos in Farbe sowie Schwarz/Weiß.
ISBN-Nr. 978-3-868-58-039-6, 312 Seiten, 18,80 Euro
Laut aktuellen Statistiken leiden mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland an Zwängen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch ein Mehrfaches davon betragen, denn viele Betroffene schämen sich für ihre Wasch-, Kontroll-, Ordnungs- oder Gedankenrituale. Diese Menschen träumen mitunter an der Schwelle zum Freitod. Thomas Dahl träumte lange mit. Als Halmas Thod taucht er noch einmal in seine Verstecke und beschreibt den alltäglichen Wahn zwischen Ordnung, Gedankenterror und Wasserhahn. "Meine ständigen Begleiter hießen Krankheit, Störung oder Neurose - jedoch alle hörten auf die eine Angst ´Leben`. Am Ende schmeckte ich nur einen Menschen, der sich fürchtete", so der Autor.
alle gedichte enden hier - trilogie des freundlichen todes
von Thomas Dahl
50 Gedichte von der Verführung des letzten Tages durch die Nacht. Direkt aus dem Café Tod - getränkt mit roten Wäldern, Vollmond und Wahn. Alle Zeilen garantiert zuckerfrei!
''Die Gedichte stammen aus der Periode einer bedächtigen (aber nicht desto weniger heftigen) Romanze mit Herrn Tod. Selbstzweifel, Überdruß, Ekel und Wahn prägten die Tage. In der Nacht blieb der Atem, ruhten sich Träume aus, wie erschöpfte Hunde auf der Sommerterasse eines hochherrschaftlichen Hauses. Ich war überfressen an Wünschen, wollte keine Kabinettstückchen für einen halben Napf Blutwurst mehr aufführen. Meine Besitzer zeigten sich erbost. Und ich wartete auf ein Zeichen der Zeit, der Götter, des Schicksals. Nichts geschah. Als ich erwachte, prügelten sich meine Ideale um die Reste der Märchen, die sie selbst so eitel erdichtet hatten. Es lohnt nicht eines einzigen Wortes, wenn das Ohr nur Fäkalien frisst! Man muss sich zuweilen beenden, um zu beginnen und die Sinne von den Sonderangeboten der Saison befrein. Ein ''Ich'' so fern, ein ''Du'', näher als der Puls an meinem Sein, ein ''Wir'', gefunden und verlorn - wohin bloß mit uns? Wohin mit diesem Rausch? Mitten ins Zentrum dieses einzigen Traums! Kommt, wir erwecken die Nacht - es ist Zeit, die Betten zu verlassen.''
Shaker Media Verlag, 50 Seiten, 50 Gedichte, 9,90 Euro, ISBN-Nr. 978-386 858 282 6
Derzeit arbeite ich an meinem neuen Buch "Als ich ein Sonntagmorgen war". Die Erzählung handelt von der Überwindung der Angst.
Exposé
In den Teufeln meiner Augenblicke
Vorwort
Worum geht es eigentlich? Um M., dem Menschen, der zögert, der A-N-G-S-T buchstabiert. Um die Angst also. Diese Furcht will, und das Wollen macht den Menschen komplett. M. ist nicht ganz in Ordnung. Er leidet. Nicht wie andere. Er schämt sich fast, dies so zu nennen oder gar zu gestehen. Dieser Mensch wird gestört, nein, dressiert. Durch Zwänge. Das sind Rituale. Impulse, denen er nicht
widerstehen kann. Seine Handlungen sind absurd und stehlen die Jahre. Das Schlimmste: Er weiß davon. Das macht es fürchterlich, immer öfter gar hoffnungslos.
… Die folgende Störung ist eine Zwangserkrankung. Der Mensch gehorcht nun Befehlen, die zunächst wie seichte Blitze durch die Gärten einer angesehenen Wohnsiedlung trollen, um schließlich gellend durch alle Kellerfenster zu schlagen, unter die Betten und verriegelten Toilettentüren eines beschaulichen Hauses fahren und den „Erleuchteten“ zum Beobachter seiner eigenen Absurdität und Hilflosigkeit in den Spiegelkabinetten eines endlosen Bewusstseins verdammen …
Eine persönliche Hitliste der Zwangsstörungen:
… Ordnen: Zwangskranke sind (oder wären) begabte klassische Architekten. Es gibt keine Unklarheiten der Form, jeder Raum macht Sinn, den es gleichartig auszufüllen und zu behüten gilt. Symmetrie und rechte Winkel sind die wahren Liebhaber eines
stets unruhigen Augenpaares. Idealerweise steht kein Stuhlbein auf Abwegen, ragt kein Buch aus dem Band hervor, verweilt keine Tasse leer auf dem Wohnzimmertisch. Alles hat eben seinen Platz, denn Ordnung bedeutet (Welt) Frieden …
... Waschen: Alles Leben kommt aus dem Wasser. Und so manches möchte dringend zurück ins rauschende Element. Der verängstigte Mensch reinigt sich oft, bis die Haut in die kasachische Steppe flieht. Vier- bis fünfmaliges oder noch intensiveres
stundenlanges Duschen, Abtragung von Schmutzpartikeln bis in mikroskopische Untiefen mittels chirurgischen Wertinstrumenten sowie die obligatorische Handbrause nach jeder Fremdberührung bestimmen die Richtung bzw. den „Standpunkt“ des Tages …
... Sammeln und Sichern: Alles ist wichtig. Gemäß diesem Leitspruch ist weniger niemals mehr, sondern eben fataler Verlust – auch Müll. Zwangskranke, die unter Sammelzwängen leiden, haben mitunter keinen Platz mehr für eine Sitzgelegenheit in ihrer Wohnung, in der sich Zeitungen, Briefe, Bilder, Prospekte,
Bedienungsanleitungen, abgetragene Kleidung, leere Flaschen, Verpackungen, ausgediente Elektro-Geräte, vielleicht aber auch luftdicht verschlossene Behälter mit dem eigenen Urin oder Kot bis unter die Decke stapeln. Gleichzeitig muss sich hier ein Ordnungszwang nicht ausschließen, je nach der Ordnungssystematik des Menschen. Mitunter weichen die Betroffenen aus Kapazitätsgründen zum Weiterleben in den Abstellkäfig im Keller aus und feiern dort sicherlich keine
Einweihungsparty …
… Denkendenkendenken: Gedankenzwänge sind nicht minder teuflisch als ihre Brüder oder Schwestern, Ordnungs-, Kontroll- und Reinigungszwänge. Wohl ist ihnen schwieriger beizukommen, weil sie im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu fassen sind. Der Drang, während der sonntäglichen Messe laut zu fluchen, das mehrmalige nachträgliche Abfahren der Arbeitswegstrecke, um verschuldete Unfälle zu beweisen bzw. zu entkräften, die permanente Vorstellung, das eigene Baby mit einem einzigen Schlag auf den Kopf faszinierend einfach zu töten, sexuelle Handlungen mit der Schwester oder der Mutter zu vollführen, CDs niemals in der Anlage zurückzulassen, weil sonst ein guter Freund erstickt oder auch die sofortige Entschlüsselung eines Fremdwortes mit anschließender Endlosdeklination oder -konjugation des Substantivs respektive des Verbums beim entspannten Fernsehabend lassen keinen Platz mehr, für das, was einem einst heilige Ruhe war …
alle gedichte enden hier
einmal
Ruheloses Bild in mir,
folge diesem wunden Tier
über verstimmte Harfen, Violinen,
das morsche Klavier –
abwärts in den Tönen.
Schwimm mit mir –
wir trinken an den Echos,
die blinzelnd durch betrunkne Träume strömen.
Ich werde dich zum Lachen bringen,
mich in bunten Lumpen durch Kaleidoskope
schwingen und dir herzlose Liebeslieder singen –
wach mit mir.
Ich führ ein seltsam` Leben –
tiefer fühlt ein Alphabet,
mit dem ich durch die Nächte stier;
und unsichtbare Tinte füllt die Seiten,
die sich leise senken, leise heben.
Ein seltsam` Leben –
einmal in der Woch` genieß ich es
und piss im Stehen.
Einmal eine Zigarette,
einmal einen Rausch,
den ich eine Stunde schmecke.
Und Sonntags in der Früh
will ich mich beenden.
´aufgewacht, im Licht ertappt,
schäm ich mich benommen
und büß an blassen Wänden.
Alles
bleibt fremd,
alles alt und unverständlich –
Freunde werden kalt,
junges Glück bald Last
und bald vergänglich.
Ich verstand und ich versteh es nicht –
einmal werden, lieben, hoffen, bleiben,
bis der Abschied aus den müden Augen stürzt,
flieht, bricht
und entweicht auf freien Schwingen.
Folge mir –
einmal werd
ich dich
zum Lachen bringen.
küsten
Deine Küsten – blinde Bilder schwimmen still,
sie tragen bar die Knochen,
die ein Kontinent nicht halten will.
Schreiend Fleisch, rote Schritte,
Glas im Traum –
ich sammel Tritte
ins Gesicht
und denk es wären Küsse,
doch die Lippen spür ich kaum.
Das Wort im Anfang sinkt,
Kissenfeder bricht,
der Traum ertrinkt.
Rechter Start, doch leider alles,
alles falsche Schlüsse.
Hiss die Segel meiner Sucht.
Es stürmt die Welt.
Mein Engel lahmt,
mein Engel hinkt,
mein Engel fällt.
Zurück gerissen
an wütende Gestade.
Tiefer immer tiefer Land,
getrieben durch betrunkne Flüsse –
Treibjagdzeit,
Bluthundhatz dem Bündel weißem Fell
in schwarzen Betten.
Saison der Made,
Menschlein kommt nicht weit.
Augenschein ist nicht zu retten.
Ich kann den Schlaf nicht länger halten –
erwacht erst der Kopf,
gehorcht das Herz an Feindes Stätten,
mit tobenden Gestalten.
Kalte Hände,
nahe Fremde –
deine Wasser tränken nicht.
Deine Schwingen schlagen stumpf und fade.
Lass doch los,
was dir nicht leuchten kann und bald erlischt.
Lass doch los,
was sich nicht halten lässt
und bald
zer
bricht.
vatermein
Überwindet euch!
So leicht ist es, nur Mensch zu sein.
Fürst,
König,
Kaiser,
Gott der Tiere –
am Ende nur ein blödes Schwein.
Wir beten Vaterunser
und glauben Vatermein.
Als ich ein Sonntagmorgen war
"Als ich ein Sonntagmorgen war", so lautet der Titel meines neuen Buches, das sich momentan in Arbeit befindet. AIESMW berichtet über die enormen Veränderungen seit der Fertigstellung der "Protokolle eines Zwangskranken" (2008). Ich wollte nicht verhehlen, dass es mir seit geraumer Zeit besser geht. Therapie, Medikamente, Freunde, Familie und vor allem mein Herzblühen modellierten einen weitaus gesünderen Thomas. Halmas lugt seltener zwischen den Ritzen meiner Vergangenheit in die Gegenwart - doch auch ihm geht es nicht schlecht.
Das Buch ist als Briefroman konzipiert. Ich schreibe meine Zeilen an alle Menschen und mythischen Geschöpfe (oder Ideen) denen ich zu Dank oder Sehnsucht verpflichtet bin. Dabei steht der Sonntagmorgen für einen traurigen Tag, der den Wahn der neuen Woche ankündigte. Diese Stunden sind vergangen. Mir geht es
besser als je zuvor. Es gibt Hoffnung. Und genau das macht mir manchmal Angst ...
Prolog
Es war gut
Es war gut. Der Moment hielt vor meinen Augen wie ein
verspäteter Linienbus ins Stadtzentrum im strömenden Regen, der seine leisen Türen an unbelagerter Stelle weit öffnete und einen unvermuteten Sitzplatz offenbarte. Entlang der Straßen – meine
Geschichte. Die Stopps – bevölkerte Erinnerungen in durchnässten Anzügen, Kostümen oder Pudelfrisuren. Gerüche – bitter, süß, herb, zu süß. Endhaltestelle – Seligkeit oder beglückende
Verdammnis?
Mir kam Beides recht. Unmittelbar vor dem Ziel noch eine Unsicherheit: Verspeist man eine Tomate wie einen Apfel? Warum nicht? Warum ja? Ich wusste eine andere Frage und eine bessere Antwort: Was
schmeckt besser, und wo finde ich das? Mitten im Leben! Da muss ich raus. Mit jedem Sinn.
Ich war Halmas Thod, ich bin Thomas Dahl. Ich werde ein Fremder sein, dem Fremde vertrauen, weil die Angst vor mir kapitulierte. Einst Verstorbener, der noch nicht aufhören wollte, zu träumen und sich vor lauter Müdigkeit vergaß, ein schlechter Zug auf der gut aufgestellten Seite des handgeschnitzten Schachbretts mit nur einem Sinn: Wohin mit all den Königen und Damen? In ihr bescheidenes Reich, beschloss dieser Mensch. Er verließ dieses Land und zog gen Norden – aufwärts. Die Luft erschien ihm besser dort. Zurück ließ er Trauerschleier und Kompass. Es gab nur einen Weg: Den direkten Pfad zur Furcht.
Eines Tages überraschte er sie beim Frühstück in ihrem glanzlosesten Gewand. Sie glotzte dämlich und grunzte unverständlich. Als sie verstand, lag sie bereits hinter ihm, wie ein erbärmlicher Haufen Eselscheiße, dessen Gestank nur für einen Steinwurf reicht. Das vermeintliche Opfer jedoch war weit. Er blieb nicht stehen. Er hielt nicht an.
Ich trank vom inneren Monsun und hüllte mich in die Nischen meiner mit Mondlicht gefüllten schützenden Fingernägel, die am lieben Leben blutig kratzten. Ich kostete die Versuchungen einer vorgegaukelten Sonne, die ein orangenes Feuerzeug war und verschmähte nicht die Speisen des Frosts auf meinen Zungen. Als die Blätter und Blumen wieder aufatmeten legte ich mich nieder. Im Schlaf fand ich den glücklichen Tod und erwachte neben einem neuen Stern.
Dies ist der erste Tag jenseits des Wahns. Ich war Halmas Thod. Ich bin Thomas Dahl. Ich werde ein Fremder sein ...
wortall